Kein Ende in SichtPrivatsphäre, staatliche und wirtschaftliche Interessen sind außerhalb des Netzes austariert. Durch das Internet werden die Karten neu gemischt:
Staatliche und wirtschaftliche Interessen werden berührt, weil Anonymität im Alltag und im Netz sich qualitativ unterscheiden. Wer gegen deutsche Gesetze verstößt und Flugblätter mit Nazi-Parolen verteilt, hinterlässt Spuren, die zurück verfolgt werden können. Gleiches gilt für den Handel mit Raubkopien von Software und Musik-CDs. Im Internet kann die Technik jegliche Spuren verwischen. Muss deshalb Anonymität unterbunden werden? Was vermag anonymes Handeln im Netz in strafrechtlicher Hinsicht? Im Schutz der Anonymität kann zu Straftaten aufgerufen, Pornographie verbreitet, Rassismus gepredigt werden, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Reale Fälle solcher Vergehen tauchen zwar regelmäßig auf, sind aber im Verhältnis zur gesamten anonymen Kommunikation eher selten. Ebenso können unter dem Schirm der Anonymität Urheberrechte verletzt werden, solange die Inhalte digital zur Verfügung stehen und keinen wirksamen Kopierschutz mitbringen. Doch Anonymität erlaubt es nicht, daraus ein Geschäft zu machen. Die angesprochene Cybercrime-Konvention führt denn auch explizit die Bedingung auf, dass Urheberrechtsverletzungen dann strafbar sein sollen, wenn sie auf einer kommerziellen Basis ("on a commercial scale") stattfinden. Das deutsche Urheberrecht ist hier allerdings deutlich enger gefasst. Privatsphäre und Meinungsfreiheit sichernAus den Motiven der Software-Autoren werden bereits einige Gründe deutlich, die für Anonymität sprechen. Den Autoren geht es vorrangig um die Sicherung der Privatsphäre und der Meinungsfreiheit. Sollte es nicht im Ermessen der Bürger liegen, ob sie in den eingangs geschilderten Szenarien der Werbebranche die ihnen zugedachte Rolle spielen wollen? Müssen Musikliebhaber zwangsläufig den Abwegen der Musikindustrie folgen? Die Antwort auch der Anwender fällt eindeutig aus: Beständige Kontrollen werden als einschränkend und unzulässig empfunden. Anonymität im Netz erlaubt es zudem, Themen, wie die eigene Krankengeschichte, zu erörtern, die sonst in der privaten Sphäre verblieben, etwa aus Angst vor beruflichen Konsequenzen. Meinungsfreiheit gilt in allen Demokratien als hohes Gut. Sie zusätzlich durch technische Maßnahmen zu sichern, ist sinnvoll; denn gerade das Abweichen von der herrschenden Meinung kann auch in Demokratien negative Folgen haben. Und oft genug erweist sich Anonymität als wesentliches Korrektiv, wenn Arbeitnehmer über etwaige Rechtsbrüche ihrer Firmen berichten, oder Behördenmitarbeiter Interna an die Öffentlichkeit bringen, die dort gerade unter den Teppich gekehrt werden sollen. Für die Diskussion um Anonymität gibt es noch reichlich Stoff und sie ist noch lange nicht beendet. Doch soviel ist sicher: Allein die Vorgesehenen Neuerungen des Internetprotokolls werden sie immer wertvoller machen. |
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