Werbung und ProfilViele Nutzer halten das Internet per se für hinreichend anonym. Die Einwahl bei einem Internet-by-Call-Anbieter verbunden mit einem Gratis-Postfach bei einem Freemail-Dienst scheint unbeobachtetes Handeln im Netz zu ermöglichen. Das ist eine Illusion, wie schon das Beispiel Doubleclick zeigt. Die Firma DoubleClick vermarktet Werbung auf Web-Seiten. Zugleich verfügt das Unternehmen über eine Datenbank mit den Nutzungsprofilen von Web-Surfern. DoubleClick erstellt die Profile Hilfe von Cookies. Die Technik wurde 1996 von Netscape eingeführt und ein Jahr später als Standard formuliert. Durch die Cookies wurde das Manko der Web-Server überbrückt, keinen Zusammenhang zwischen Abfragen erkennen zu können. Indem die Server einem Browser, der zum ersten Mal eine Seite anfordert, ein Cookie übermitteln, dass dieser bei der nächsten Anfrage an den gleichen Server wieder zurückschickt, entsteht ein Zusammenhang. Die Browser erhalten eine eindeutige Markierung. CookiesDas Profil gewinnt DoubleClick durch die Redseligkeit der Browser. Sie geben Auskunft über sich selbst, die IP-Nummer des Rechners, das Betriebssystem und die Seite, von der sie kommen. Beim Aufruf einer Seite, die von DoubleClick mit Werbung versorgt wird, erhält die Firma bei der Anforderung der Werbebanner, sowohl die URL der aufgerufenen Seite als auch das Cookie des Browsers. Dadurch entsteht ein Bewegungsprofil der Nutzer über alle Seiten, die von der Firma vermarktet werden. Gedacht sind Cookies zu einer einfachen Sicherung. Anstatt bei ein und derselben Website immer wieder das Passwort einzugeben, kann der Server einem durch ein Cookie als bekannt markierten Browser den Zugang erlauben. Außerdem können Anwender über diesen Mechanismus die Websites entsprechender Anbieter nach ihren Vorstellungen gestalten. Ein Online-Broker kann so dem Nutzer beim Aufruf seiner Seite immer den aktuellen Stand ausgewählter Kurse präsentieren. Aus Datenschutzgründen stehen viele Anwender Cookies skeptisch gegenüber. Doch ein Teil der Aufregung um die Markierungen der Browser speist sich aus der klammheimlichen Datensammelei, die damit ursprünglich verbunden war; denn mit den entsprechenden Einstellungen geben die Browser bereitwillig Auskunft, ohne dass die Benutzer etwas davon merken. Die Browser der neueren Generation erlauben jedoch, wie die Webfilterprogramme Webwasher oder Junkbuster, ein Cookie-Management. Mit ihnen können die Anwender festlegen, von welcher Site sie Cookies akzeptieren möchten. Die Versuche, Profile der Anwender anzulegen, beschränken sich nicht auf das Web. Die Firma RealNetworks geriet mit ihrem Realplayer ins Gerede, als sich herausstellte, dass ihre Programme eindeutig gekennzeichnet sind und Daten über die Nutzungsgewohnheiten der Anwender an das Unternehmen übermitteln. Auch Microsoft verwendet beim Media Player einen ähnlichen Mechanismus. Weltweit eindeutige IdentifizierungRealNetworks und Microsoft verwenden einen Global Unique Identifier (GUID), der eine Software-Installation weltweit eindeutig kennzeichnet. RealNetworks konnte die Kennzeichnung zudem mit den bei der Registrierung angegebenen E-Mail-Adressen in Verbindung bringen. Lautstarke, empörte Proteste bewogen beide Firmen, Abstand von der eindeutigen Kennzeichnung zu nehmen. Was die Firmen tatsächlich an Vorlieben der Anwender speicherten, blieb im Dunkeln. Der Realplayer kann heute noch mit einer GUID arbeiten, allerdings sieht die Software die Möglichkeit vor, die Übermittlung abzuschalten. Microsofts Media Player kennt ebenfalls die Option, die Übermittlung der GUID wegzulassen. Den Angaben des Software-Konzerns zufolge erhalten zudem nur die Anbieter von Web-Rundfunk die ID. Mit der Verwendung der Kennzeichnung geben die Hersteller den Anbietern zwei Möglichkeiten an die Hand. Zum einen können Anbieter damit die Qualität der Datenübertragung überprüfen. Zum anderen können Anbieter über die GUID sicherstellen, dass nur zahlende Kunden ihr Radioprogramm oder ihr Video empfangen. Mit dem Einschränken von Cookies oder GUIDs ist keine Anonymität verbunden. Es werden nur bestimmte Informationen zurückgehalten, andere, etwa die Adresse des Rechners, aber freigegeben. Auf dieser Ebene die Übermittlung von Daten einzuschränken, kommt nur einem ersten Schritt in Richtung Anonymität gleich. |
Was Browser verraten:
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