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onymität im Netz

 

Schöne neue Welt

Die Musikindustrie begleitet seit einiger Zeit ihre jährlichen Bilanzen mit Klagen um den Rückgang von Tonträgerverkäufen und behauptet einen direkten Zusammenhang mit Raubkopien, die über das Internet verteilt würden.

Richtig ist, dass Kopien über das Internet ausgetauscht werden. Noch im Jahr 2000 erfreute sich die Musiktauschbörse Napster größter Beliebtheit. Der amerikanische Industrieverband verklagte Napster wegen Verletzung des Urheberrechts und bekam Recht. Napster wurde verurteilt, geschützte Inhalte zu filtern. Bertelsmann kaufte die Firma, um einen eigenen Tauschdienst einzurichten. Sony arbeitet ebenfalls an einer eigenen Börse. Beide Dienste sollen Schutzmechanismen für Musikdateien mitbringen, die das weitere Kopieren einschränken.

Die bislang vorgeschlagenen Lösungen für ein "Digitales Rechte-Management" arbeiten mit Wasserzeichen. Die Kennzeichnungen sollten weder sicht- noch hörbar sein. Zudem müssen sie Veränderungen widerstehen. Mit dem Formatwechsel eines Bildes von GIF- zu JPEG-Codierung dürfen keine schwerwiegenden Unterschiede einhergehen. Das Funktionsprinzip der Wasserzeichen nutzt die in bestimmten Bereichen mangelnde Unterscheidungsfähigkeit der menschlichen Wahrnehmung. Ein Stück Stoff, das schwarzweiß erscheint, muß nicht aus rein weißen und rein schwarzen Fäden bestehen. Geringfügige Abstufungen der Helligkeit entgehen dem menschlichen Auge. Die einzelnen Fäden könnten also leicht changieren, ohne daß der Eindruck verändert wird. Das Ohr kann auf ähnliche Weise getäuscht werden. Zwei Schallwellen, die zeitlich nahe genug aufeinander folgen, nimmt das Gehör als eine wahr.

Wir wissen, was du letzten Sommer gehört hast

In den Planspielen der Musikindustrie kaufen die Hörer einzelne Musikstücke. Beim Herunterladen erhalten die Dateien ein Wasserzeichen, das zum Beispiel die Kundennummer und die Gerätenummer enthält. Die Musik ließe sich dann nur hören, wenn das Programm oder das Gerät sowohl die richtige Kundennummer kennen, als auch mit der korrekten Gerätenummer gekennzeichnet sind. Das Musikstück wäre dadurch an ein konkretes Medium und einen bestimmten Kunden gebunden. Einige Überlegungen gehen diesen Weg noch weiter und schlagen Zahlungen für jedes Hören vor.

Anonymität spielt in diesen Vorstellungen offensichtlich keine Rolle. Statt dessen erhielte der Musikvertrieb bei diesem Modell des Rechte-Managements ein detailliertes Profil jedes Kunden, da Kundennummer und gekaufte Dateien bekannt sind.

Andere Inhaber von Urheberrechten folgen der Musikindustrie auf dem Fuße: Die Filmindustrie in den USA und neuerdings auch die Fernsehsender fürchten um ihre Existenz, sollten die Handlungsspielräume der Anwender nicht erheblich eingeschränkt werden.